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125 Jahre Kolpingsfamilie in Kassel
 

Seit 125 Jahren gibt es die Kolpingsfamilie Kassel-Zentral als einen der größten und wirkungsreichsten katholischen Verbände in Kassel. Das feiert die Kolpingsfamilie: Mit einem Festgottesdienst mit Generalvikar Prof. Dr. Gerhard Stanke (Fulda) am Samstag, 29. Mai um 15.30 Uhr in St. Bonifatius (Ihringshäuser Straße 3). Der Festabend mit Bertram Hilgen, Kasseler Oberbürgermeister um 19.15 Uhr im Phillip-Scheidemann-Haus, Holländische Straße 72-74, schließt sich an.

 

Statt langer Reden hat die Kolpingsfamilie den katholischen Diakon Willibert Pauels, bekannt als Büttenredner „Ne Bergische Jung“ im Kölner Karneval, engagiert. Er wird in seinem Kabarettprogramm Kirche, Kolping und Gesellschaft aufs Korn nehmen. Vorsitzender Franz Tschöpe begründet diese ungewöhnliche Festveranstaltung im Philipp Scheidemann Haus: „Wir wollten unseren Mitgliedern sowie den geladenen Gästen aus Kirche, Gesellschaft und Kolpingwerk einen fröhlichen Abend bieten, der aber auch ernsthaft unseren Glauben und die momentane Situation der Kirche nicht aus dem Blick lässt. Willibert Pauels gelingt das in besonderer Weise.“

 

Die Kolpingsfamilie geht unter dem ehemaligen Namen „Gesellenverein“ auf den selig gesprochenen katholischen Priester und Sozialreformer Adolph Kolping zurück. Im vorletzten Jahrhundert setzte er sich vor allen Dingen für Bildung und soziale Belange von jungen Menschen während ihrer Ausbildung und der damit verbundenen Wanderschaft im Handwerk ein. Sie sollten „über den Tellerrand“ der Ausbildung schauen, religiöse und gesellschaftliche Bildung erfahren, in der Fremde eine sinnvolle Geselligkeit und Heimat finden.

 

Deshalb baute man in Kassel auch das Kolpinghaus. Nach dem Krieg wurde es neu aufgebaut und später durch das heutige zentrale katholische Verwaltungs- und Veranstaltungsgebäude „Regionalhaus Adolph Kolping“ in der „Freiheit 2“ ersetzt. Noch immer wird es in Kassel aber einfach „Kolpinghaus“ genannt.

 

Aus den Gesellenvereinen erwuchs ein heute weltweit vertretener katholischer Familien- und Sozialverband. In Kassel gründete sich dieser katholische Verband in der damals einzigen Kirche und Pfarrei, St. Elisabeth am Friedrichsplatz, und prägt seitdem das katholische Leben der Nordhessenmetropole entscheidend mit. Vereinsmitglieder wurden Stadtverordnete, sind noch heute kommunalpolitisch engagiert oder im Bereich der Entwicklungshilfe für Burundi oder der „Aktion Brasilien“ für Südamerika und soziale Projekte in Deutschland tätig. Aber auch im geselligen Bereich hat die Kolpingsfamilie Spuren hinterlassen. Mitglieder aus Reihen der Kolpingsfamilie waren es, die mit „Narrhalla Chassalla“ nach dem Krieg einen eigenen Karnevalsverein und später auch die Gemeinschaft Kasseler Karnevalsgesellschaften (GKK) mit gründeten.

Stimmen zum Kasseler Kolpingjubiläum 2010
 

Roland Koch: "Kolping trägt zur Festigung der Demokratie bei"

 

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) übermittelte ein Grußwort. Er betont darin, dass sich die Kolpingsfamilien in den Städten und Gemeinden Hessens als Gemeinschaft verstünden, in der das Bewusstsein für verantwortliches Leben und solidarisches Handeln gefördert werde. „Das Kolpingwerk hat sich längst vom katholischen Gesellenverein seines Gründers zu einem international agierenden modernen katholischen Sozialverband entwickelt, doch ist die Idee Adolph Kolpings, auf unsere Zeit und Gesellschaft übertragen, immer noch aktuell“, so der Ministerpräsident. Besonders weist er darauf hin, dass Mitglieder der Kolpingsfamilie aktive gesellschaftliche und politische Mitwirkungsmöglichkeiten wahrnehmen. „Sie tragen damit entscheidend zur Festigung unserer demokratischen Gesellschaft bei“, so Koch. „Sie erfüllen einen Grundgedanken Adolph Kolpings mit Leben: dass jeder Mensch seine Fähigkeiten und Möglichkeiten entwickeln soll und dass jeder die Kompetenzen erwerben soll, die nötig sind, um in allen Lebenssituationen sachgerecht handeln zu können.“

 

Bertram Hilgen: „Kassel braucht engagierte Christinnen und Christen“

 

Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) bezeichnete die 125 Jahre Kolping in Kassel als ein Stück Stadt- und Kirchengeschichte. „Das ist aber vor allen Dingen die Geschichte von Menschen, die sich in dieser Stadt engagiert haben. Viele aktive Kolpingbrüder und seit einigen Jahrzehnten auch Kolpingschwestern waren und sind ein fester Bestandteil des Stadtlebens“, so das Stadtoberhaupt. Er hoffe, dass die Kolpingsfamilie Kassel-Zentral auch in Zukunft tatkräftig das Gesicht der Stadt auf religiösem, sozialen und kulturellem Gebiet mitgestaltet und prägt. Bertram Hilgen: „Kassel braucht in dieser Weise engagierte Christinnen und Christen, die der Stadt Bestes wollen, sich einmischen und gleichzeitig auch ihre Verantwortung für eine gerechte Welt wahrnehmen.“

 

Harald Fischer: "Verbände wichtig bei abnehmender Bindungskraft der Pfarrgemeinden"

 

Für das Bistum Fulda übermittelte Dechant Harald Fischer die Glückwünsche. "Ein gutes Stück Kirchengeschichte Nordhessens - das ist der Untertitel der Festschrift. Und es stimmt: die jüngere Geschichte der Katholischen Kirche Kassels und Nordhessens wurde deutlich von  der Kolpingsfamilie mitgeprägt.“ Viele Menschen, die zu Kolping gehören, hätten das Erscheinungsbild der Kirche besonders in Kassel wesentlich mitbestimmt. Angesichts der immer kleiner werdenden Bindungskraft der Pfarrgemeinden kommt den katholischen Verbänden, kommt der Kolpingsbewegung auch heute noch eine wichtige Bedeutung im Gesamt der Katholischen Kirche zu. Fischer: „Das Überleben der Kolpingsfamilie in Kassel wird mit davon abhängen, ob es gelingt, die Strahlkraft der Botschaft Adolph Kolpings auch heute in veränderter Zeit sichtbar zu machen und Menschen dafür zu gewinnen.“

Attraktives Jubiläumsmagazin
 

Jubiläumsmagazin schildert Geschichte und Gegenwart: Enteignetes jüdisches Gemeindehaus wurde abgelehnt

 

Eine im modernen Magazinstil vierfarbig gestaltete Festschrift gibt auf 68 Seiten einen reich bebilderten Rückblick auf die Geschichte vom Gesellenverein bis zur Kolpingsfamilie und ist damit auch ein interessanter Rückblick auf die Kirchengeschichte Nordhessens und Kassels.  Ausführlich wird die Gründungszeit beschrieben, aber auch intensiv die Zeit des Dritten Reiches. Offen wird beschrieben, wie auf der einen Seite eine Mitgliedschaft für ein Mitglied des Gesellenvereins in der NSDAP per Aufruf ausgeschlossen wurde, gleichzeitig aber die Hakenkreuzfahne bei Versammlungen hängen musste. Das Angebot der Reichsregierung, das jüdische Gemeindehaus zu übernehmen, lehnten der Gesellenverein und die Kirchengemeinde St. Elisabeth ab. Präses Pfarrer Ludwig Wiegand bekam mehrer Anzeigen, u.a. weil er Schriften gegen Hitler verbreitet hatte. Beschrieben wird auch die Nachkriegszeit mit dem Bau des Kolpinghauses oder das soziale Engagement, u.a. durch das Kolpingmitglied Hannelore Klabes, die seit vielen Jahren als Entwicklungshelferin in Burundi aktiv ist.

 

Die Festschrift ist gegen eine Spende in der Buchhandlung St. Elisabeth, Die Freiheit 2, erhältlich.